Empfehlungen und Checkliste für transdisziplinäre Projekte

1 Vorwort. Herausforderungen transdisziplinären Arbeitens

Neben den grundsätzlichen Problem- und Fragestellungen von Prekarisierungs- und Flexibilisierungstendenzen im Kunst- und Kulturbereich wurden beim Projekt Flexible@Art auch neue projektive Zusammenhänge erprobt und dies durchaus in experimentellen Kontexten. In der Ausschreibung zum Forschungsprogramm TRAFO (Transdisziplinäres Forschen) wurde dies wie folgendermaßen begründet: "Mit dem Anliegen, den transdisziplinären Forschungsprozess selbst in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen, soll zum einen auf den Umstand geantwortet werden, dass die Analyse von sozialen, politischen und kulturellen Herausforderungen die geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche Forschung vor Probleme stellt, die weder mit den Instrumenten einzelner Disziplinen noch mit jenen disziplinenübergreifender, aber im Rahmen akademischer Wissenschaft bleibenden Zugangsweisen erfassbar sind." 3

Dieser Ausschnitt aus dem Ausschreibungstext spricht bereits die grundlegenden Probleme einer gesellschaftlichen Wissensproduktion an. Gerade durch die "Barbarei der Spezialisierung"4 in der Wissenschaft und in der Praxis, hat sich die gesellschaftliche Problemlösungskompetenz verringert. Dies ist jedoch keine neue Debatte. Schon bereits Karl Marx brachte in der 11. Feuerbachthese - die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern - die Frage der Transdisziplinarität schon früh auf den Punkt.5 Besonderes aber durch die Herausbildung der Wissensgesellschaft am Beginn des 21. Jahrhunderts erhielt die Diskussion um die Rolle und Stellenwert der Wissenschaft in der Gesellschaft eine neue Dimension. Vor allem wird die traditionelle Arbeitsteilung zwischen Wissenschaft und Praxis in Frage gestellt und die gewohnten Arbeits- und Produktionsweisen der Wissenschaft werden problematisiert. Das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Praxis bzw. Gesellschaft ist in Bewegung gekommen. Hinweis für diese Dynamiken sind u.a. die Diskussionen um neue Formen der Wissensproduktion6 Diese neuen Formen der Wissensproduktion (mode1 zu mode 2, normal zu postnormal science) betonen eine wachsende Kontextabhängigkeit von Wissen und stellen die wissenschaftliche Vorgehensweise in Frage, die das Erfahrungswissen der lokalen ExpertInnen einseitig nach wissenschaftlichen Relevanzkriterien strukturieren und die PraktikerInnen auf Untersuchungsobjekte reduzieren. Gerade aber durch die zunehmende Fragmentierung von Wissen muss diese konventionelle, mehr oder weniger strikte Arbeitsteilung zwischen Wissenschaft (Generierung von Erkenntnissen und Instruktion der Praxis via Transfer) auf der einen Seite und Praxis (Lernen aus den Erkenntnissen und Anwendung der Erkenntnis) auf der anderen Seite angezweifelt werden. Statt dieser Einbahnstraßenkommunikation sollen nunmehr gemeinsame Lernprozesse zwischen Wissenschaft und Praxis in den Mittelpunkt gestellt werden. Als Folge dieser Entwicklung müssen sich neben der konventionellen Arbeitsteilung zwischen Wissenschaft und Praxis neue netzwerkförmige, zum Teil transdisziplinäre und institutionelle Kommunikations- und Kooperationsmuster, die wechselseitige Lern- und Erkenntnisprozesse ermöglichen, etablieren.7

Diese Notwendigkeit von neuen Kommunikations- und Kooperationsmuster begleitete das Projekt Flexible@Art auf Schritt und Tritt. Speziell durch die unterschiedliche Zusammensetzung der ProjektpartnerInnen, der damit verbundenen unterschiedlichen Arbeitweisen und -routinen sowie der zur Verfügung stehenden Ressourcen ist eine kontinuierliche, koordinierte und aktive Kommunikation zwischen den anti-virtuellen Treffen notwendiger denn je. Die überbordenden Hoffnungen, die hierbei in die Möglichkeiten von "neuen" web-basierenden Kommunikationsformen gesetzt werden, halten oftmals den Praxistest nicht stand, erweisen sich als technisch zu unausgereift bzw. zu unflexibel und weichen oftmals wieder der Ernüchterung der gängigen E-mail-Kommunikation. Wenn man den Ansprüchen nach Transdisziplinarität gerecht werden will, werden demzufolge neue Werkzeuge, Arbeitsformen und schließlich zusätzliche Ressourcen benötigt, die das Verstehen und die Zusammenarbeit zwischen den disziplinären WissenschafterInnen und den PraktikerInnen verbessern und erleichtern. Transdisziplinäre Projekte erfordern die enge Kooperation mit der Praxis, also mit AkteurInnen, die das gemeinsam produzierte Wissen konkret umsetzen können. Hierbei müssen die unterschiedlichen Wissensbestände und Wissensformen, die unterschiedlichen Interessen, Ziele, Erwartungen, Zeithorizonte, Ressourcen, Entscheidungs- und Handlungslogiken sowie Bewertungsmaßstäbe bedacht werden.

Im Rahmen des transdisziplinären Forschungsprozesses von Flexible@art kristallisierten und formierten sich wesentliche Eckpunkte und Erkenntnisse, die beim transdisziplinären Forschen besondere Berücksichtigung finden müssen, heraus und wurden für die erfolgreiche Arbeit wesentlich und immanent. Diese Erkenntnisse und Eckpunkte wurden laufend verfeinert, ausdifferenziert und überarbeitet. Für transdisziplinäre Projekte lassen sich demzufolge konkrete Anforderungen herleiten:8

Gemeinsame Ziele:
Die Arbeit muss sich an gemeinsam festgelegten Zielen orientieren. Sie sind aus Sicht aller Beteiligten die Ziele, die sie mit der Kooperation erreichen möchten und zu denen sie einen Beitrag leisten können und wollen.

Gemeinsame Fragen:
Die zu untersuchenden Fragen, müssen gemeinsam entwickelt werden. Im Hinblick auf die gemeinsamen Ziele sind dies für alle Beteiligten die relevanten Fragen und zu denen sie einen Beitrag zur Beantwortung dieser Fragen leisten zu können.

Gemeinsame Sprache:
Es muss eine gemeinsame Sprache erarbeitet werden. Demzufolge müssen für den Untersuchungsgegenstand die zentralen Begriffe identifiziert und so umschrieben werden, dass alle Beteiligten mit der Definition einverstanden sind und sich im vereinbarten Rahmen daran halten. Dadurch werden begriffliche Unklarheiten und Uneinigkeiten geklärt.

Gemeinsamer Forschungsgegenstand:
Der Forschungsgegenstand muss mittels einer kohärenten und konsistenten Begrifflichkeit angemessen beschrieben werden. Dies umfasst nicht nur die Identifizierung der relevanten Felder des zu bearbeitenden (wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen) Problems, sondern auch die Entscheidung über die zu untersuchenden Aspekte des Problems und die Formulierung der Beziehungen zwischen diesen Aspekten.

Einigkeit über Methoden:
über die möglichen Methoden, die bei der Untersuchung der gemeinsamen Fragen zur Anwendung gelangen sollen, muss Konsens herrschen. Die Methoden zur Synthesebildung bzw. zur Wissensintegration müssen gemeinsam bestimmt werden, ebenso wie die Kriterien der Wissenschaftlichkeit, denen das Vorhaben genügen soll.

Benennbare Beiträge:
Alle Beteiligten müssen ihre disziplinäre bzw. praxeologische Kompetenz in die Zusammenarbeit einbringen. Alle sollen einen benennbaren und relevanten Beitrag zu den gemeinsamen Zielen und Fragen leisten. Die Beiträge aus den verschiedenen Disziplinen und Berufsfeldern müssen bestimmt und aufeinander abgestimmt werden.

Synthese und Wissensintegration:
Die von den Beteiligten aus den verschiedenen Disziplinen bzw. praxeologisch produzierten Ergebnisse müssen mit geeigneten Methoden und Verfahren laufend integriert, d. h. zu einer Synthese vereint werden. Die Synthese ist das gemeinsame Ergebnis, also die Antwort auf die gemeinsamen Fragen.

Zielgruppengerechte Aufbereitung:
Die Ziele, Fragen und Ergebnisse müssen so aufbereitet werden, dass sie von den verschiedenen Zielgruppen innerhalb und außerhalb der Wissenschaft verstanden werden können. Sie müssen in geeigneten Kanälen verbreitet werden und zwar in einer Form, die der jeweiligen Zielgruppe angemessen ist und sich an der vorgesehenen Nutzung orientiert.

Kommunikation und Kooperation:
Die Unterschiedlichkeit der beteiligten AkteurInnen erfordert ein hohes Maß an Kommunikation und Kooperation zwischen den beteiligten Personen. Um diese Differenzen auszugleichen, bedarf es, neben dem klassischen, organisierenden und administrierenden Projektmanagement, ein inhaltlich strukturierendes und moderierendes Kooperationsmanagement, das die vielfältigen und aufwendigen Kommunikations- und Kooperationsbeziehungen zwischen den Wissenschafts- und PraxispartnerInnen gestaltet und die unterschiedlichen Arbeitsweisen einerseits (aner)kennt und andererseits nivelliert und zugänglich macht.

Projektstrukturen:
Transdisziplinäre Projekte erfordern neue organisatorische und institutionelle Arrangements. Neben der Einführungen eines expliziten Kooperationsmanagement und einer klaren Aufgabenverteilung und Zuordnung der Verantwortungsbereiche zwischen Projektleitung, Projektkoordination und Kooperationsmanagement bedarf es auch einer klaren Hierarchie und Rollenklärung sowie der Definition und Schaffung von gemeinsamen Räumen.

Transdisziplinäre Projekte sind mit einer Vielzahl an Herausforderungen konfrontiert. Diese betreffen zum einen die Schwierigkeiten in der Prozessgestaltung und zum andern die Schwierigkeiten in der Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Zugängen:9

Eine Reihe von Schwierigkeiten hängt mit der Gestaltung der transdisziplinären Prozesse zusammen, die für die Zusammenarbeit notwendig sind:

Mangelhafte theoretische Grundlagen:
Die Beteiligten verfügen zum einen über keine Kenntnis darüber, was transdisziplinäres Arbeiten ausmacht und ausmachen sollte. Zum anderen kennen sie die spezifischen Herausforderungen solchen Arbeitens nicht und wissen nicht, wie diese bewältigt werden könnten. Darüber hinaus erfolgt keine systematische Aneignung von Wissen über Prozesse des transdisziplinären Arbeitens oder eine Reflektion über die gewonnener Erfahrungen.

Fehlendes methodisches Know-how:
Die Beteiligten wissen zu wenig über Verfahren und Methoden zur Gestaltung der Konsensbildung und Wissensintegration. Dadurch bleiben Synergien ungenutzt und die disziplinären und praxeologischen Teilergebnisse, bleiben im jeweiligen Feld verhaftet. Wird dies absehbar, identifizieren sich die Beteiligten nicht mehr mit dem Vorhaben als Ganzem, sondern nur noch mit ihrem eigenen Teil des Vorhabens.

Probleme der Abstimmung und Planung:
Disziplinenspezifische und praxeologische Abläufe und Arbeitsroutinen bzw. -weisen werden oft ungenügend abgeklärt, was dazu führt, dass die Planungsziele nicht erreicht werden können. Auch werden für die Prozesse der Konsensbildung und der Wissensintegration oftmals zu wenige Ressourcen eingeplant, und die Beteiligten ziehen sich in der Folge aus der gemeinsamen Arbeit zurück. Hinzu kommen oft Probleme, wie sie in jedem Projekt auftreten können, z. B. nicht zielorientiert geplant und aufeinander abgestimmt Arbeiten, Unklare Strukturen und Entscheidungsverfahren und die Nichttransparente vorgenommene Verteilung von Rechten, Zuständigkeiten und Aufgaben.

Andere Schwierigkeiten erwachsen aus der Tatsache, dass Transdisziplinarität eine Kooperation zwischen unterschiedlichen Zugängen darstellt. Die Beteiligten verfügen über wissenschafts- und berufsfeldspezifische Denk-, Arbeits- und Sprachweisen

Missverständnisse und Definitionsansprüche:
Der Wissenskorpus und die damit zusammenhängende Sprache der unterschiedlichen Disziplin und Berufsfeldern gehören oft zum lediglich impliziten Wissen einer Person. Wird dieses implizite Wissen nicht angemessen expliziert und übersetzt, kann dieses kaum vermittelt und umgekehrt kann es nicht oder nur ungenügend verstanden werden. Zum Problem des Nicht-Verstehens tritt auch das Problem des Miss-Verstehens hinzu, wenn dieselben Wörter in den verschiedenen Zugängen unterschiedlich verwendet werden. Entsprechend schwierig ist es, eine gemeinsame Sprache zu finden.

Divergenzen in Gegenstand und Fragestellung:
Das Wissen darüber, welche Aspekte eines Gegenstandes für eine Untersuchung relevant sind und wie sie beschrieben werden, ist oftmals Teil einer spezifischen disziplinären bzw. praxeologischen "Brille". Eine gemeinsame Problemsicht zu entwickeln, ist schwierig oder sogar unmöglich, wenn diese spezifische Sichtweise in der Zusammenarbeit nicht überwunden wird. Wenn die Beteiligten ihrer jeweiligen Perspektive verhaftet bleiben, können die Sichtweisen auf einen Gegenstand sowie dessen verschiedene Beschreibungen kaum zueinander in Relation gesetzt werden. Dementsprechend können sie nicht zu einem gemeinsamen Forschungsgegenstand zusammengefügt werden. Konflikte entstehen, wenn die Beteiligten überzeugt sind, ihre Sicht sei die einzig mögliche Sicht auf den jeweiligen (vorwissenschaftlichen) Gegenstand, sie allein würden die "richtigen" und wichtigen Fragen aufwerfen, und wenn sie die Fragen der anderen als weder sinnvoll noch ziel führend abqualifizieren.

Differenzen bei Methodenwahl und Wissenschaftlichkeit:
In der transdisziplinären Arbeit muss auf disziplinäre Methoden der Erkenntnisgewinnung zurückgegriffen werden. Die Vorstellungen über das "richtige" Vorgehen, über erfolgversprechende Methoden und über die angemessene Art und Weise, an eine Frage heranzugehen, divergieren aber. Sind die Beteiligten nicht bereit, von ihren spezifischen "Vorlieben" abzurücken und andere Methoden ebenfalls als zielführend (und wissenschaftlich) zu akzeptieren, so wird die Formulierung gemeinsamer Ziele, Fragestellungen und koordinierten Vorgehensweisen erschwert oder sogar verunmöglicht. Konflikte entstehen auch, wenn sich die Beteiligten weigern, von ihren Kriterien der Wissenschaftlichkeit Abstand zu nehmen und mit aller Macht versuchen, ihre Methoden und ihre Wissenschaftlichkeitskriterien durchzusetzen.

Vorurteile:
Die wenigsten Beteiligten haben ein fundiertes Wissen bezüglich anderer Disziplinen. Konflikte entstehen, wenn jemand besser zu wissen meint, was andere Disziplinen leisten können oder sollten, und wenn dies mit "Disziplinenimperialismus" einhergeht, d.h. mit der überschätzung des Beitrags der eigenen Disziplin bei gleichzeitiger Herabsetzung der Leistungen anderer Disziplinen (bis hin zur Negierung ihrer Wissenschaftlichkeit).

Diese skizzierten Anforderungen und Schwierigkeiten transdisziplinären Arbeitens haben Konsequenzen für das Management von transdisziplinären Projekten. Ziel des Managements von transdisziplinären Projekten ist es nicht nur, dafür zu sorgen, dass die die Kooperation den Anforderungen an inter- bzw. transdisziplinäre Vorhaben erfüllt. Ziel des Managements muss es auch sein, dafür zu sorgen, dass die besonderen Probleme der transdisziplinären Zusammenarbeit gar nicht erst entstehen und dass sie, sollten sie dennoch auftreten, schnell und befriedigend gelöst werden. Zentral für ein solches transdisziplinäres Kooperationsmanagement sind vor allem die Unterstützung der Zusammenarbeit der wissenschaftlichen PartnerInnen bei der Erarbeitung interdisziplinärer Fragestellungen und Ergebnisse sowie die Integration des disziplinären und interdisziplinären Wissens der WissenschafterInnen sowie des Alltags- und Erfahrungswissens der PraxispartnerInnen. Ein Kooperationsmanagement muss die ProjektpartnerInnen in ihren Rollen-, Klärungs- und Problemlösungsprozessen begleiten, die Regeln, Routinen, Verhaltensweisen und Konflikte aufzeigen, die eine erfolgreiche Zusammenarbeit behindert und damit die Entwicklung einer funktionierenden Kooperationskultur fördern. Eine Kooperationskultur umfasst u.a. den Aufbau eines homogenen Informationsstandes, das Aufzeigen von gemeinsamen und jeweils "individuellen" Zielen, Interessen und Erwartungen, die Möglichkeit der Selbst- und Teamreflexion sowie eine gegebenenfalls notwendige Konfliktregulierung zwischen den PartnerInnen. Ein Kooperationsmanagement muss diesem Verständnis nach explizit für die Strukturierung und Gestaltung der vielfältigen Kommunikations- und Kooperationsbeziehungen zuständig sein. Damit sind nicht nur Aufgaben angesprochen, sondern auch die Fähigkeiten derjenigen, denen das Management der Kooperation obliegt. Die Managementverantwortlichen müssen zum einen über das "Handwerk" zur Gestaltung der Prozesse der Konsensbildung und der Synthesebildung verfügen. Zum anderen müssen sie in der Lage sein, die spezifischen Probleme der inter- bzw. transdisziplinären Zusammenarbeit rechtzeitig zu erkennen und angemessen mit ihnen umzugehen. Dazu wiederum müssen sie sensibilisiert sein für potentielle Empfindlichkeiten der beteiligten Disziplinen und Berufsfelder, d.h. ausreichend über die beteiligten Disziplinen bzw. Berufsfelder Bescheid wissen, um eingreifen zu können, möglichst noch bevor Konflikte entstehen. Transdisziplinäre Projektstrukturen erfordern deshalb nicht nur ein explizites Kooperationsmanagement und demzufolge eine klare Aufgabenverteilung und Zuordnung der Verantwortungsbereich zwischen Projektleitung, Projektkoordination und Kooperationsmanagement.

2 Aufgabenpakete und Phasen von transdisziplinären Projekten

Transdisziplinäre Forschung findet in Kooperation von WissenschafterInnen und PraxispartnerInnen/AnwenderInnen statt. Durch diese spezifische Konstellation und den grundsätzlichen Heraus- bzw. Anforderungen von transdisziplinären Projekten leiten sich zahlreiche Aufgaben ab. Diese Aufgaben lassen sich zu Aufgabenpakte zusammenfassen, die während der Laufzeit verschiedene Phasen durchlaufen.10

Gemeinsame Ziele und Fragen:
Beschreibung des Forschungsgegenstandes, Bestimmung der Ziele und Fragen, Abstimmung der Einzel- bzw. Teilprojekte auf die Ziele und Fragen, Verpflichtung der Beteiligten auf gemeinsame Ziele und Fragen, Ausrichtung der Arbeit auf die gemeinsamen Ziele, Abklärungen über spezifischen Inhalt und Interessen Vernetzung der Forschungsarbeiten: Vereinbarung und Abstimmung der Beiträge der verschiedenen Einzelprojekte, Festlegung von gemeinsamen Aktivitäten, Sicherstellung des Austausches zwischen den Einzelprojekten.

Synthesebildung:
Skizzierung der erwartenden gemeinsamen Ergebnisse, Festlegung der Methoden und Verfahren zur Synthesebildung, Erarbeitung einer gemeinsamen Sprache und theoretischen Basis, Definition der Leistungen der Einzel- bzw. Teilprojekte , Formulierung und Dokumentierung der gemeinsamen Ergebnisse.

Entwicklung gemeinsamer Produkte:
Generierung und Prüfung von Vorschlägen für gemeinsame Produkte, Planung zur Herstellung der gemeinsamen Produkte, Bestimmung von Beiträge der Einzel- bzw. Teilprojekte für die gemeinsames Produkte, Vorbereitung der Distribution der Produkte

Auswahl der Personen und Teamentwicklung:
Zusammenstellung des Teams, Regelung der Zusammenarbeit und des Umganges mit Konflikten, Offenlegung der Arbeitsweisen, Klärung der Rollen, Aufgaben und Funktionen, Aufrechterhaltung des Engagements der Beteiligten Beteiligung Externer: Bestimmung der Personenkreise für solche Kooperationen, Abklärung der gemeinsamen Erwartungen, Formulierung der Ziele der Kooperation, Gestaltung der Zusammenarbeit

Interne und externe Kommunikation:
Gestaltung und Betreuung der internen und externen Informationsflüsse, Aufbau einer entsprechenden Informationsinfrastruktur, Aufbereitung und Verbreitung der Information

Organisation der Arbeit:
Vereinbarungen von Entscheidungskompetenzen und Strukturen, Abstimmung und Planung der Arbeit der Einzelprojekte, Festlegung von Meilensteine, Bewirtschaftung von Ressourcen, Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Evaluierung

Diese Aufgabenpakte fallen nicht gleichzeitig an, sondern erstrecken sich über die gesamte Laufzeit von transdisziplinären Projekten. Diese lässt sich in folgende vier Arbeitsphasen einteilen:

Vorbereitung:
Formulierung der Forschungsidee, Bestimmung wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Probleme und Teilaspekte, Formulierung der Ziele und Fragen, Skizzierung der angestrebten Ergebnisse, Skizzierung wer welche Beiträge zu den Zielen und Fragen leistet, Entwicklung einer gemeinsamen Problemsicht, Zusammenstellung und Auswahl des Projektteams (Disziplinen, Institutionen, PraxiologInnen, Berufsfelder, etc.) Festlegung und Berücksichtigung der Interessen, Qualifikationen und Kompetenzen des Projektteams, Grobplanung der Arbeit, Finanzplanung, überlegungen zur Struktur und Zusammenarbeit

Start:
(Beginn: Nach Antragsbewilligung) Prüfung und Anpassungen der Vorarbeiten und Vorhabens, Klärung von offenen Fragen, Feinplanung, Aufbau der notwendigen Infrastruktur

Durchführung:
Umsetzung der Planung, (Forschungs-)arbeiten auf der Ebenen von Einzelprojekten, laufende Abstimmung der gemeinsamen Ziele und Fragen, Erarbeitung der Synthese, Herstellung der gemeinsamen Produkte, Regelmäßiger Blick auf das Gesamte und Austausch zwischen den Einzelprojekten, regelmäßige Standortbestimmungen und Ergreifung von Kurskorrekturen und Maßnahmen zur Qualitätssicherung sowie zur Verbesserung der Zusammenarbeit.

Abschluss und Umsetzung:
Abstimmung der Berichte, Aufbereitung der Ergebnisse der Synthesebildung, Vorbereitung der gemeinsamen Produkte, Vorbereitung der transdisziplinären Interventionen, Umfassender Rückblick (Prüfung der Zielerreichung, Verfahrens- und Methodenreflexion) und abschließende Standortbestimmung, Planung der Weiterarbeit

3 Checkliste und Aufgaben-Matrix 11

3.1 Gemeinsame Ziele und Fragen

3.1.1 Vorbereitungsphase

Bestimmung und Beschreibung von Problemen und des Forschungsgegenstands:
  • Auf welches Problem soll sich die Forschung und Arbeit ausrichten?
  • Welche Aspekte des Problems sollen untersucht werden?
  • Wo liegen die inhaltlichen Schwerpunkte?
  • Wie lässt sich das Problem als gemeinsamer Forschungsgegenstand beschreiben?
Bestimmung und Formulierung der gemeinsamen Ziele und Fragen:
  • Wie und durch wen werden gemeinsame Ziele und Fragen entwickelt?
  • Wo liegen die inhaltlichen Interessen der Projektbeteiligten?
  • Wie lauten die gemeinsamen Ziele und Fragen?
  • Wie werden aus den gemeinsamen Zielen die Ziele der möglichen Einzelprojekte entwickelt?
  • Wie werden aus den gemeinsamen Fragen und den Zielen der Einzelprojekte die Fragen der Einzelprojekte entwickelt?

3.1.2.1 Startphase

Sicherung des Stellenwertes der gemeinsamen Ziele und Fragen.
  • Wie können die beteiligten Personen auf die Ziele und Fragen verpflichtet werden?
  • Wie können die Ziele und Fragen und diejenigen der Einzelprojekte in Einklang gebracht werden?
Check-up und Update:
  • Welche Veränderungen ergeben sich in Bezug auf den gemeinsamen Forschungsgegenstand?
  • Welche Veränderungen für die gemeinsamen Ziele und Fragen ergeben sich?
  • Welche Veränderungen ergeben sich daraus für die Ziele und Fragen der Einzelprojekte?
  • Wo müssen inhaltliche Schärfungen vorgenommen werden?

3.1.3 Durchführungsphase

Controlling und Monitoring
  • Orientieren sich die Forschung und Arbeit und die Produktentwicklung an den gemeinsamen Zielen und Fragen?
  • Welche Veränderungen für die gemeinsamen Ziele und Fragen ergeben sich aus dem Fortgang der Forschung und Arbeit?
  • Ergeben sich im Zusammenhang mit dem untersuchten Problem neue Gesichtspunkte, die Anpassungen der gemeinsamen Ziele und Fragen notwendig machen?

3.1.4 Abschluss und Umsetzungsphase

Rückblick und Beurteilung:
  • Welche gemeinsamen Ziele sind erreicht, welche nicht?
  • Welche gemeinsamen Fragen sind beantwortet, welche nicht?
  • Haben sich aus der Forschung neue Fragen ergeben?
Ausblick und Weiterführung
  • Sollen zu bestimmten Fragen FoIgeprojekte geplant werden?

3.2 Vernetzung der Forschungsarbeiten

3.2.1 Vorbereitungsphase

Skizzierung der Vernetzung:
  • Wer soll welche Beiträge zur Erreichung der gemeinsamen Ziele und zur Beantwortung der gemeinsamen Fragen leisten?
  • Welches Wissen wird in welcher Form eingebracht? Welche Art von Wissen wird erzeugt?
  • Wie können diesbezüglich Verbindlichkeiten hergestellt werden?(=Kooperationsvertrag)
  • Wie werden die Einzelprojekte inhaltlich aufeinander bezogen?
  • Welche Forschungsarbeiten und welche weiteren Aktivitäten der Einzelprojekte sollen gemeinsam durchgeführt werden?

3.2.2 Startphase

Planen der Vernetzung:
  • Welche Maßnahmen zur Unterstützung gemeinsamer Forschungsarbeiten und weiterer gemeinsamer Aktivitäten werden vorgesehen?
  • Wie sollen Forschungsergebnisse ausgetauscht werden?
Check-up und Update:
  • Welche Veränderungen ergeben sich für die Vernetzung?

3.2.3 Durchführungsphase

Abstimmung der (Forschungs-)Arbeiten:
  • Wie wird der Dialog über die (Forschungs-)arbeiten sichergestellt?
  • Wie kann das Interesse über den eigenen Bereich hinaus geweckt werden?
  • Welche gemeinsamen Lernprozesse können initiiert werden?
  • Welche inhaltlichen Komprimierungen und Verdichtungen sind notwendig?
Mindeststandards
  • Welchen (wissenschaftlichen) Standards müssen für die einzelnen Arbeiten genügen?
Dokumentation
  • Welche Formen der Arbeitsdokumentation werden eingesetzt?
Controlling und Monitoring:
  • Welche Konsequenzen für die Beiträge der Einzelprojekte und die Abstimmung der Forschungsarbeiten ergeben sich aufgrund veränderter gemeinsamer Ziele und Fragen und aufgrund der Synthesebildung?

3.2.4 Abschluss und Umsetzungsphase

Dokumentation der Vernetzungsleistung:
  • Wie sind die Berichte über die Forschungsarbeiten aufeinander abzustimmen?
Rückblick und Beurteilung:
  • Hat sich die Art und Weise der Vernetzung bewährt?

3.3 Synthesebildung

3.3.1 Vorbereitungsphase

Skizzierung der erwarteten Ergebnisse:
  • Welcher Mehrwert wird davon erwartet, dass die Arbeit in Kooperation erfolgt?
Planen der Synthesebildung:
  • Wie soll die Synthese entwickelt werden?
  • Wer soll sich wie an der Synthesebildung beteiligen?

3.3.2 Startphase

Initiierung der Synthesebildung:
  • Wie wird mit der Synthesebildung begonnen?
  • Wie können die beteiligten Personen auf die Synthesebildung verpflichtet werden?
Check-up und Update:
  • Welche Ergebnisse werden mit der Synthesebildung nun angestrebt?
  • Welche Methoden werden für die Synthesebildung eingesetzt?
  • Wer ist an der Synthesebildung beteiligt?

3.3.3 Durchführungsphase

Entwicklung der Synthese:
  • Wie wird die Mitwirkung an der Synthesebildung sichergestellt?
  • Welche Schnittstellen zwischen den disziplinären Zugängen der ForscherInnen und dem Alltagswissen der AkteurInnen sind notwendig?
  • Wie werden eine gemeinsame theoretische Basis und eine gemeinsame Sprache entwickelt?
Controlling und Monitoring:
  • Welche Auswirkungen auf die Synthesebildung haben veränderte gemeinsame Ziele und Fragen?
  • Welche Konsequenzen für die Synthesebildung ergeben sich aus den Forschungsarbeiten?
  • Sind die für die Synthesebildung eingesetzten Methoden zielführend?
  • Erfolgt die Entwicklung einer gemeinsamen theoretischen Basis und einer gemeinsamen Sprache angemessen?

3.3.4 Abschluss und Umsetzungsphase

Dokumentation der Synthese:
  • Wie lauten die Antworten auf die gemeinsamen Fragen?
  • Wie werden die Ergebnisse der Synthesebildung aufbereitet und kommuniziert?
Transdisziplinäre Integration
  • Welche Handlungs- und Lösungsstrategien können formuliert werden?
Rückblick und Beurteilung:
  • Hat die Kooperation den erwarteten Mehrwert erbracht?
  • Hat sich die Art und Weise der Synthesebildung bewährt?

3.4 Entwicklung gemeinsamer Produkte

3.4.1 Vorbereitungsphase

Planung der Produktentwicklung:
  • Wie sollen Vorschläge für gemeinsame Produkte erarbeitet werden?

3.4.2 Startphase

Ausarbeitung von Produktvorschlägen:
  • Nach welchen Kriterien wird bestimmt, welche gemeinsamen Produkte realisiert werden?

3.4.3 Durchführungsphase

Realisierung der gemeinsamen Produkte:
  • Wer leistet welchen Beitrag zur Realisierung der gemeinsamen Produkte?
Controlling und Monitoring:
  • Ergeben sich im Laufe der Kooperation Konsequenzen für die Realisierung der gemeinsamen Produkte?
  • Ergeben sich Laufe der Kooperation neue Ideen für gemeinsame Produkte?
  • Welche Konsequenzen für die Kooperation ergeben sich aus der Realisierung der gemeinsamen Produkte?
  • Werden die gemeinsamen Produkte zielgruppengerecht realisiert?

3.4.4 Abschluss- und Umsetzungsphase

Abschließung der Produktentwicklung:
  • Wie wird die Distribution der gemeinsamen Produkte sichergestellt?
Rückblick und Beurteilung:
  • Haben sich die Art und Weise der Produkterstellung bzw. -entwicklung bewährt?
Ausblick und Weiterführung:
  • Soll eine Betreuung oder Weiterentwicklung der gemeinsamen Produkte über den Abschluss hinaus erfolgen?
  • Solle es Folgeprojekt zu den gemeinsamen Produkten geben?

3.5 Auswahl der Personen und Teamentwicklung

3.5.1 Vorbereitungsphase

Zusammenstellung eines geeigneten Teams:
  • Welche Disziplinen und Berufsfelder sind zur Erreichung der Ziele und zur Beantwortung der Fragen erforderlich?
  • Welche Disziplinen und Berufsfelder werden zu welchem Zeitpunkt benötigt?
  • Welche Eigenschaften, Fähigkeiten und Kompetenzen sollen die beteiligten Personen haben?
  • Welche spezifischen Qualifikationen sind erforderlich?
  • Welche Eigenschaften, Fähigkeiten und Kompetenzen sind für das Management der Kooperation erforderlich?
Klärung der Erwartungen der beteiligten Personen:
  • Welche Motive und Erwartungen haben die beteiligten Personen, die in der Kooperation mitarbeiten?
  • Welche Erfolgskriterien haben die beteiligten Personen? Was sind die gemeinsamen Erfolgskriterien?
Aufgaben-, Rollen- und Funktionsverteilung:
  • Welche Aufgaben-, Rollen und Funktionen werden den einzelnen Beteiligen zugeschrieben und übernommen?
  • Welchen Einfluss haben die AkteurInnen innerhalb der Region oder der einer Gruppierung?
  • In welcher Weise sind die AkteurInnen von einer durch das Forschungsprojekt zu erwartenden Veränderung betroffen?
  • In welcher Weise sind die AkteurInnen in der Lage, mögliche Ergebnisse umzusetzen oder deren Umsetzung zu verhindern?

3.5.2 Startphase

Bestimmung des Entwicklungsbedarfs für das Team:
  • Wie werden im Team noch fehlende Kompetenzen durch Entwicklungsmaßnahmen oder durch zusätzliche Personen ergänzt?
Teambildung und Regelung der Zusammenarbeit:
  • Wie können der Start der Zusammenarbeit im Team erleichtert und gefördert werden?
  • Wie können die individuellen Erwartungen und die Arbeit im Team aufeinander abgestimmt werden?
  • Welchen Regeln soll die Zusammenarbeit im Team folgen?
  • Wie sollen Konflikte im Team identifiziert und nach welchen Regeln sollen sie behandelt werden?
Arbeitsweisen und -routinen
  • Welche unterschiedlichen Arbeitsweisen und -routinen sind bei den Beteiligten vorzufinden?
  • Wie können diese aufeinander abgestimmt werden?
Check-up und Update:
  • Welche Personen sind nun beteiligt?
  • Welche Veränderungen für Kooperation ergeben sich daraus?

3.5.3 Durchführungsphase

Verbesserung der Zusammenarbeit:
  • Wie kann das Engagement der beteiligten Personen erhalten werden?
Ergänzungen für das Team:
  • Wie werden zusätzliche Personen integriert?
Arbeitsweisen
  • Wie können gemeinsame Arbeitsweisen entwickelt und etabliert werden?
  • Welche gemeinsamen Räume sind diesbezüglich notwendig?
Controlling und Monitoring:
  • Entsteht aufgrund veränderter gemeinsamer Ziele und Fragen, aufgrund des Fortgangs der Kooperation, oder aus der Produktentwicklung ein zusätzlicher Entwicklungsbedarf für das Team?
  • Welche Stärken und Schwächen weist die Zusammenarbeit im Team auf?
  • Gibt es verborgene öder inadäquat behandelte Konflikte im Team?

3.5.4 Abschluss- und Umsetzungsphase

Zusammenarbeit zum Abschluss bringen:
  • Wie wird die Auflösung des Teams gestaltet?
Rückblick und Beurteilung:
  • Hat sich die Zusammensetzung des Teams bewährt?
  • Welche Stärken und Schwächen hatte die Zusammenarbeit im Team?
Ausblick und Weiterführung:
  • Wie kann das vorhandene Netzwerk ganz oder in Teilen erhalten werden?
  • Mit welchen der beteiligten Personen sollen eventuelle Folgeprojekte geplant werden?

3.5.5 Aufgaben, Rollen und Funktionsverteilung

Für die Projektleitung und die verschiedenen involvierten PartnerInnen ergeben sich wichtige und erforderliche Faktoren und Notwendigkeiten, die bei einem transdisziplinären Forschungsprojekt berücksichtigt und eingehalten werden sollten.

3.5.5.1 Projektleitung

Aufgaben, Funktionen, Rollen und Pflichten:
  • Einladung potentieller PartnerInnen vor Projektantrag = Möglichkeit der Partizipation,
  • Auswahl der MitarbeiterInnen und PartnerInnen (Aufgabenprofil)
  • Festlegung von Entscheidungsstrukturen
  • Projektsteuerung, -planung und Controlling
  • Verteilung von Aufgaben
  • Vertretung nach Außen (FördermittelgeberInnen, allgemeine und Fachöffentlichkeit)

3.5.5.2 Projektkoordination

Aufgaben, Funktionen, Rollen und Pflichten:
  • - Entwicklung der groben Projektplanung
  • - Inhaltliche und zeitliche Koordination
  • - Abstimmung der Einzelaktivitäten der AkteurInnen und Teilprojekte
  • - Zuständig für einen regelmäßigen gegenseitigen Informationsaustausch und -verteilung
  • - Schnittstelle zwischen den einzelnen Projektgruppen
  • - Einforderung der Inhalte (bzw. inhaltlicher Diskussionen),
  • - Verantwortlich für die Einhaltung von Abgabeterminen und Einforderung eines "schlechten Gewissen" (= "druckvolle" Kontrolle)
  • - Organisation und Moderation der gemeinsamen Projektreffen
  • - Ansprechperson für interne und externe Anfragen

3.5.5.3 KooperationsmanagerIn

Aufgaben, Funktionen, Rollen und Pflichten:
  • - Strukturierung, Gestaltung und Moderation der Kommunikations- und Kooperationsprozesse (=Schnittstellenmanagement)
  • - Unterstützung bei der Zusammenarbeit der wissenschaftlichen Partnerinnen bei der Erarbeitung interdisziplinärer Fragestellungen und Ergebnisse;
  • - Integration des Alltags- und Erfahrungswissen der PraxispartnerInnen sowie das disziplinäre und interdisziplinäre Wissen der WissenschafterInnen.
  • - Aufzeigen von Regeln, Routinen, Verhaltensweisen und Konflikte, die eine positive Zusammenarbeit behindern und fördert ein zielgerichtetes, kooperatives Verhalten und Handeln zwischen den AkteurInnen.
Kompetenzen:
  • - hohe soziale Kompetenz, Empathie und Kommunikationsfähigkeit
  • - Moderationsfähigkeit
  • - Motivations- und Konfliktlösungsfähigkeit
  • - Methodenkenntnisse zur Gruppengestaltungsprozessen und regelmäßigen (Selbst-)Reflexion

3.5.5.4 ProjektpartnerInnen

Aufgaben, Funktionen, Rollen und Pflichten:
  • - Teamerfahrung
  • - Gute fachliche und/oder methodische Kenntnisse
  • - Forschungs- und Arbeitsinteresse in transdisziplinären Kontexten
  • - Kompetenzen im Bereich der Kommunikation und Moderation
  • - Bearbeitung von (Forschungs-)fragen
  • - Neugier und Offenheit für neue Ansätze

3.6 Beteiligung Externer

3.6.1 Vorbereitungsphase

Planung der Beteiligung von Externen:
  • In welcher Form sollen Externe beteiligt werden?
  • Wobei sollen externe Beteiligte einbezogen werden?
  • Welches sind die Ziele der Zusammenarbeit?
  • Welches sind die gegenseitigen Erwartungen?

3.6.2 Startphase

Initiierung der Zusammenarbeit:
  • Wie können die externen Beteiligten auf die Ziele der Zusammenarbeit verpflichtet werden?
Check-up und Update:
  • In welcher Form erfolgt nun die Beteiligung von Externen? Sind andere Formen bzw. andere Personenkreise als geplant vorzusehen?
  • Welche Kooperationen mit externen Beteiligten lassen sich realisieren?
  • Weiche Veränderungen für die Kooperation ergeben sich daraus?

3.6.3 Durchführungsphase

Realisierung der Zusammenarbeit:
  • Wie kann das Engagement der externen Beteiligten aufrechterhalten werden?
Controlling und Monitoring:
  • Bewährt sich die Form, in der Externe beteiligt werden? Bewährt sich die Art und Weise, in der die externen Beteiligten einbezogen werden?
  • Welche Veränderungen für die Zusammenarbeit mit den externen Beteiligten ergeben sich aus veränderten gemeinsamen Zielen und Fragen, dem Fortgang der Arbeit in der Kooperation, der Produktentwicklung oder sich wandelnden Rahmenbedingungen der Praxis?
  • Verlaufen die einzelnen Kooperationen mit den externen Beteiligten aus der Sicht aller jeweils daran Beteiligten befriedigend?

3.6.4 Abschluss- und Umsetzungsphase

Zusammenarbeit zum Abschluss bringen:
  • Wie wird für die Mitglieder der Kooperation und den externen Beteiligten sichergestellt, dass die Zusammenarbeit einen sinnvollen Abschluss findet?
Rückblick und Beurteilung:
  • Hat sich die Art und Weise der Zusammenarbeit mit Externen bewährt?
Ausblick und Weiterführung:
  • Wie kann das vorhandene Netzwerk ganz oder in Teilen erhalten werden?
  • Welche Externen sollen die Planung von ev. Folgeprojekten einbezogen werden?

3.7 Interne und externe Kommunikation

3.7.1 Vorbereitungsphase

Gestaltung der Informationsflüsse in der Vorbereitungsphase:
  • Wer muss worüber informiert werden?
Skizzieren des Kommunikationskonzepts:
  • Welche Personen und Gruppen sind in die Informationsflüsse der Kooperation einzubinden?
  • An wen sollen sich die Ergebnisse der Kooperation richten?
  • Welche verschiedenen Kommunikationsmittel und -methoden sollen eingesetzt bzw. angewandt werden?
  • Wer soll für die Erarbeitung des Kommunikationskonzepts zuständig sein?

3.7.2 Startphase

Erarbeitung eines Kommunikationskonzeptes
  • Wie kann die Identifizierung mit dem Kommunikationskonzepts gefördert werden?
  • Wie kann die Umsetzung der internen und externen Kommunikation unterstützt werden?
Aufbau der Kommunikationsinfrastruktur

3.7.3 Durchführungsphase

Verbreitung von Information:
  • Wie wird sichergestellt, dass die Informationen adäquat aufbereitet werden und die Kommunikationsflüsse aufrechterhalten bleiben?
Controlling und Monitoring:
  • Werden die Personen und Gruppen der Kooperation, die spezifischen externen Zielpublika und die breite öffentlichkeit tatsächlich erreicht?
  • Werden die richtigen Personen und Gruppen angesprochen?
  • Wer aus der Kooperation will bzw. benötigt tatsächlich welche Informationen?
  • Erhalten die Adressatinnen und Adressaten außerhalb der Kooperation jeweils die richtigen Informationen und sind diese angemessen aufbereitet?
  • Bewähren sich die Verfahren und Zuständigkeiten, in der internen und externen Kommunikation?

3.7.4 Abschluss und Umsetzungsphase

Externe Kommunikation zum Abschluss bringen:
  • Welche Informationen sollen nach Abschluss der Kooperation zur Verfügung stehen?
Rückblick und Beurteilung
  • Hat sich das Kommunikationskonzept bewährt?
Ausblick und Weiterführung
  • Welche Teile der aufgebauten Kommunikationsinfrastruktur sollen erhalten werden?
Transdisziplinäre Interventionen
  • Wie können die Ergebnisse in die Diskurse des Praxisfeld und der Wissenschaft eingespeist werden?

3.8 Organisation der Arbeit

3.8.1 Vorbereitungsphase

Organisation der Arbeit in der Vorbereitungsphase
  • Wer ist wofür zuständig?
Erstellung von Projekt- und Finanzplänen
  • Wie wird sichergestellt, dass Struktur und Planung der Einzelprojekte auf die Organisation der Arbeit der Kooperation abgestimmt werden?
  • Was ist in der Kooperation auf Abläufe und Vorgaben von Institutionen in seinem Umfeld abzustimmen?
  • Wurde der Mehraufwand für transdisziplinäres Arbeiten kalkuliert?
  • Welche zeitlichen und personellen Ressourcen sind erforderlich?
Infrastrukturelle Anforderungen
  • Welche infrastrukturellen Notwendigkeiten ergeben sich aus der Kooperation?
Planung eines Kooperationsmanagements:
  • Wie kann das Kooperationsmanagement in der Projektstruktur situiert und verankert werden?
  • Welche zeitlichen und finanziellen Ressourcen müssen berücksichtigt werden?
  • Welche Aufgaben und Funktionen übernimmt das Kooperationsmanagement?

3.8.2 Startphase

überarbeitung der Projekt- und Finanzpläne:
  • Wofür werden die zur Verfügung stehenden personellen und finanziellen Ressourcen eingesetzt?
  • Wie können die beteiligten Personen auf den Projektplan verpflichtet werden?
Initiierung der Qualitätssicherung und Evaluierung:
  • Welche Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Evaluierung sollen ergriffen werden?

3.8.3 Durchführungsphase

Controlling und Monitoring:
  • Erfüllen die Gremien und Personen ihre Aufgaben?
  • Orientiert sich die Arbeit am Projektplan?
  • Werden die personellen und finanziellen Ressourcen wie vorgesehen und angemessen eingesetzt?
  • Müssen zusätzliche Ressourcen beschafft werden?
  • Bewährt sich der Projektplan welche Veränderungen sind notwendig?
  • Bewähren sich die Maßnahmen der Qualitätssicherung und Evaluierung?
  • Wird angemessen auf Unvorhergesehenes reagiert?

3.8.4 Abschluss und Umsetzungsphase

Abschluss der Arbeit:
  • Wie wird sichergestellt, dass die Arbeit sinnvoll abgeschlossen wird?
Rückblick und Beurteilung
  • Hat sich der Projektplan bewährt?
  • Würde der personelle und finanzielle Aufwand richtig eingeschätzt, sind die Ressourcen angemessen eingesetzt worden?
  • Hat sich die Art und Weise der Qualitätssicherung und Evaluierung bewährt?

4 LITERATUR

  • Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (bm:bwk), Ausschreibung: Forschungsprogramm Transdisziplinäres Forschen (TRAFO) Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (GSK), 2004, in: http://www.bmbwk.gv.at/forschung/fps/trafo/trafo.xml, Zugriffsdatum: 25. Mai 2006

  • Defila, Rico, Di Giulio, Antonietta, Scheuermann, Michael, Forschungsverbundmanagement. Handbuch für die Gestaltung inter- und transdisziplinärer Projekte, vdf Hochschulverlag Ag an der ETH Zürich, Zürich 2006

  • Dienel, Hans-Liudiger, Schön, Susanne, Schophaus, Malte (Hg.), Transdisziplinäres Kooperationsmanagement. Neue Wege in der Zusammenarbeit in der Wissenschaft und Gesellschaft, ökom Verlag, München 2004

  • Franz, Hans-Werner, Howald, Jürgen, Jacobsen, Heike, Kopp, Ralf (Hg.), Forschen-lernen-beraten. Der Wandel von Wissensproduktion und -transfer in den Sozialwissenschaften, Edition Sigma, Berlin 2003

  • Freyer Bernhard, Inter- und transdisziplinäre Forschungspraxis. Beobachtungen und Empfehlungen, Wien 2004, in, http://www.boku.ac.at/fileadmin/_/ H933-oekolandbau/Ausschreibungen_Da_Diss/Freyer/ inter_und_transdisziplinaere_fp.pdf, Zugriffsdatum: 30. Juni 2007

  • Funtowicz, O. Silvio, Ravetz, R. Jerome, Science for the post-normal age, in: Futures 25(9), Thomson Scientifi c, London 1993, S. 739-755

  • Gibbons, Michael, Limoges, Camille, Nowotny, Helga, Schwartzman, Simon, Scott, Peter, Trow, Martin, The new production of knowledge. The dynamics of science and research in contemporary societies, Sage, London, Thousand Oaks und New Dehli 1994

  • Blimlinger Eva, Andre Zogholy (Hg.) flexart - flexible@art, Linz 2007

  • Nowotny, Helga, Es ist so. Es könnte auch anders sein. über das veränderte Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1999


3) BMBWK 2004
4) Gasset 1993
5) vgl. Dienel 2004, S. 9
6) Gibbons 1994, Nowotny 1999, Funtowicz et al. 1993
7) vgl. Franz 2003, S. 9ff
8) vgl. Defila, 2006; Dienel 2004; Freyer 2004; Flexible@Art 2007
9) vgl. Defila, 2006; Dienel 2004; Freyer 2004; Kunstuniversität Linz 2007
10) vgl. Defila, 2006; Dienel 2004; Freyer 2004; Kunstuniversität Linz 2007
11) vgl. Defila 2006; Dienel 2004; Freyer 2004; Flexible@Art 2007
// Flexibilisierung
Die freie Enzyklopädie Wikipedia defi niert unter Flexibilisierung „[...] grundsätzlich die Aufl ösung vormals starrer Strukturen. [...] In der Wirtschaft bezeichnet Flexibilisierung den Übergang von den umfassend vertraglich geregelten Arbeitsverhältnissen des Fordismus (Normalarbeitsverhältnis, feste Arbeitszeiten, tarifvertraglich festgelegte Gehälter, Kranken- und Urlaubsgeld, Kündigungsschutz) zu einer Arbeitsorganisation weitgehend ohne feste Vorgaben. [...] Für die Gesellschaft spricht man von Flexibilisierung in Bezug auf grundlegende Veränderungen des Systems der Sozialversicherungen (hier teils nahezu gleichbedeutend mit Privatisierung).” (Wikipedia 2006, http://de.wikipedia.org/ wiki/Flexibilisierung). Der wohl einfl ussreichste wissenschaftliche Beitrag zur Flexi-bilisierungsdebatte innerhalb der letzten Jahre wurde vom amerikanischen Soziologen Richard Sennett (1998) verfasst. Er weist dem Begriff der Flexibilität mehrere charakteristische Merkmale zu. Dem Aufbrechen blinder Routine, der Entbürokratisierung, der Offenheit für kurzfristige Veränderungen und der geringeren Abhängigkeit von Regeln und förmlichen Prozeduren stehen permanentes Risiko und der Verlust an Sicherheit als negative Erscheinungen gegenüber. Der Begriff hat eine Metamorphose durchgemacht: Während bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein dauerhafte und vergleichsweise starre Verhaltens-reglementierungen sich großer Wertschätzung erfreuten, wurde Flexibilisierung im Zuge der Entwicklung der postindustriellen Gesellschaften zu einem geläufi gen Schlagwort. Wurden mit ihm dabei zunächst noch beinahe ausschließlich positive Eigenschaften wie Spannungsmotor, Entbürokratisierung, befruchtend, neue Möglichkeiten durch Switchen oder die Aneignung von fremden Disziplinen in Verbindung gebracht, kamen ab den 1990er-Jahren zunehmend Stimmen auf, die eine Reduktion des ursprünglichen Sinns des Begriffs, nämlich jenen der „Dehnfestigkeit”, auf eine reine Anpassungsnotwendigkeit von Arbeitskräften kritisierten. Durch das Knüpfen von Verbindungslinien und die Analyse von Entwicklungen auf den einzelnen Arbeitsmärkten wurde Flexibilisierung in diesem Zusammenhang auch als ein wesentliches Kriterium für Prekarität defi niert. (vgl. Zillian 1997, Bröckling et al. 2000)
GLOSSAR
// Arbeit auf Abruf
// Atypische Beschäftigungsformen
// Befristete Arbeitsverhältnisse
// Employability Employability
// Flexibilisierung
// Gender
// Geringfügige Beschäftigung
// Gouvernementalität
// Immaterielle Arbeit
// Leiharbeit
// Normalarbeitsverhältnis
// Prekariat
// Prekarisierung
// Projekt
// San Precario
// Scheinselbständige Erwerbsarbeit
// Teilzeitbeschäftigung
// Telearbeit
// Transdisziplinarität
flexible@art Logo kunst universität Logo